Verantwortung der Wissenschaft
Wissenschaft und
Forschung müssten eigentlich dazu prädestiniert sein, Leitwerten wie menschlicher Vernunft und einer damit
einhergehenden Ethik zu unterliegen. Dass dem oft leider nicht so ist, wurde jedoch schon längst offensichtlich.
Viel zu oft scheint es, dass der Fortschritt nicht zielgerichtet, sondern nur um seiner selbst Willen
fortschreitet. Umso mehr denn je zuvor drängt die Zeit, dass die sich Wissenschaft ihrer Verantwortung für die
Zukunft der Menschheit und auch der Erde bewusst wird.
Man bedenke bitte, welche “Errungenschaften“ bis zum heutigen Tage auf die
Wissenschaft zurückgehen. Wir haben Waffensysteme, die derart darauf ausgerichtet sind auf hochmoderne Weise
zu töten und zu peinigen, dass es (eingedenk ihrer Perfektion) einfach nur makaber ist! Man fragt sich
unfreiwillig, was für Menschen so etwas erfinden. Unsere Wissenschaft scheint, sowie die
Wohlstandsgesellschaft im Allgemeinen, in eine Art Optimierungsfalle geraten zu sein. „Wachstum und
Fortschritt um jeden Preis.“, lautet die Devise!
Aus ethischer Sicht war es wohl eine der größten Fehlentwicklungen der Wissenschaft (und insbesondere der
Naturwissenschaft), dass sie sich weg von der subjektiven Erfahrung hin zur ausschließlich objektiven Betrachtung
gewandt hat. Man versucht das Leben zu erklären, in dem man es zerstückelt. Damit mag man zwar anschauliche und
möglicherweise zutreffende Modelle kreieren. Aber hat uns das in unserem Menschsein wirklich vorangebracht? Ist die
Menschheit eine besser, verantwortungsvoller und moralischer als zuvor? Eingedenk all unserer selbst gemachten
Katastrophen und Missstände lässt sich diese Frage leicht verneinen. Wir mögen zwar “zivilisierter“ sein, aber
dieser Umstand ist eher auf Wohlstand als auf Erkenntnis zurückzuführen. Warum sonst sollten (zivilisierte)
Menschen dabei zusehen, wie der Rest der Welt verhungert.
Und auch gegenwärtig ist unsere Wissenschaft nicht dabei, sich mit Ruhm zu bekleckern. Während der Hunger der Welt
mehr und mehr Menschen dahinrafft als je zuvor, sinnieren unsere Wissenschaftler über kulinarische Errungenschaften
wie genveränderte Kost. Die Einen nagen am Hungertuch und die Anderen überlegen sich die Variation der Variation.
Natürlich sollen die Errungenschaften auch gerade jenen zu Gute kommen, die es bitter nötig haben. Was für eine
billige PR-Aktion (zu Gunsten einer genveränderten Ernährung) das ist, wird spätestens dann offenbar, wenn man
weiß, dass die produzierten Nahrungsmittel auf der Erde ohnehin ausreichen würden, um alle zu versorgen. Das
Problem ist also keines der Verfügbarkeit, sondern der Verteilung. Und überhaupt: Wieso soll die Ernährung, mit der
Mutter Erde uns Jahrmillionen lang genährt hat, nun so schlecht sein? Stattdessen will eine Lobby aus
fadenscheinigen Wissenschaftlern und patentsüchtigen Saatgutkonzernen nun dafür sorgen, dass wir ihrem
unvollständigen Kunstfutter mehr vertrauen als der Natur.
Die gegenwärtige Versuche uns von der Notwendigkeit einer genetisch veränderten Ernährung zu überzeugen sind nur
eine Facette wissenschaftlichen Versagens. Natürlich ist nicht die gesamte Wissenschaft bar jeder Verantwortung.
Aber ein großes Problem liegt darin, dass es nur noch verhältnismäßig wenige wirklich unabhängige Wissenschaftler
gibt. Wie so vieles in unserer vom Turbokapitalismus geformten Welt ist auch die Wissenschaft in großen Teilen
kommerzialisiert – sie unterliegt den Interessen der Mächtigen. Das können Staaten oder Konzerne (wie eben jene
genannten Saatguthersteller) sein. Und natürlich wünschen diese Mäzen der Wissenschaft, dass die zu Tage
geförderten Resultate doch auch bitte “im Sinne des Erfinders sein mögen“. Erst wenn die Wissenschaft (und auch die
Gesellschaft!) ihr Bewusstsein dafür schärft, dass das Diktat des Nützlichen keine Lösung ist, dann ist auf
richtungsweisende Veränderungen zu hoffen.
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